Wörtlich übersetzt bedeutet Ayurveda Lebensweisheit oder Lebenswissenschaft. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und setzt sich aus den Wörtern Ayus (Leben) und Veda (Wissen / Weisheit) zusammen.

Die wichtigsten Konzeptgrundlagen des Ayurveda

Körper, Geist und Seele sind wie ein Dreifuß. Die Welt wird durch ihr Zusammenspiel erhalten. Sie stellen das Substrat für alles Existierende. Vereint bringen sie das fühlende Wesen hervor, für das Ayurveda ins Licht gerufen wurde.“
 – Caraka Samhita, Sutra Sthana, Kapitel 1, Vers 46

Wörtlich übersetzt bedeutet Ayurveda Lebensweisheit oder Lebenswissenschaft. Der Begriff stammt aus dem Sanskrit und setzt sich aus den Wörtern Ayus (Leben) und Veda (Wissen / Weisheit) zusammen.

Ayurveda sieht unsere integrale Einheit von Körper Geist und Seele als eine Art Ökosystem, indem es gilt die verschiedenen Energien und Kräfte auszubalancieren und in einem dynamischen Einklang mit unserer ursprünglichen Konstitution (Prakriti) zu bringen.

Körper, Geist und Seele werden als ein dynamisches, integrierendes Netzwerk verstanden, indem alles mit allem ununterbrochen und simultan kommuniziert. Ist diese Kommunikation in einem dynamischen Einklang und befinden wir uns dadurch in einer inneren Balance, ist es uns möglich ein langes Leben in Gesundheit und Wohlbefinden zu leben.

Als Einstieg für ein grundlegendes Verständnis hier nun als erstes die wichtigsten Konzepte der ayurvedischen Energetik:

I. Die Fünf Elemente (Pancha Mahabhutas): Ayurveda geht davon aus, dass alles im Universum, einschließlich des menschlichen Körpers, aus fünf grundlegenden Elementen (Mahabhutas) besteht. Dies sind:

Äther (Akasha): Raum, Leere, das Nichtmaterielle. Manifestiert sich in Hohlräumen des Körpers (Mund, Nase, Lungen, Verdauungstrakt). Mentale Qualität: Offenheit und Leere

Luft (Vayu): Bewegung, Leichtigkeit, Trockenheit. Verantwortlich für alle Bewegungen im Körper (Atmung, Blutkreislauf, Nervenimpulse, Darmbewegungen). Mentale Qualität: Erinnerungsvermögen

Feuer (Agni/Tejas): Transformation, Stoffwechsel, Wärme, Verdauung, Intelligenz. Steuert alle biochemischen Prozesse im Körper. Mentale Qualität: Unterscheidungsvermögen

Wasser (Jala/Ap): Flüssigkeit, Zusammenhalt, Feuchtigkeit. Bildet alle Körperflüssigkeiten (Blut, Lymphe, Speichel). Mentale Qualität: Emotion 

Erde (Prithvi): Struktur, Festigkeit, Stabilität, Dichte. Bildet die festen Bestandteile des Kör

pers (Knochen, Muskeln, Organgewebe, Haare, Nägel). Mentale Qualität: Stabilität

Diese Elemente sind nicht als materielle Stoffe im westlichen Sinne zu verstehen, sondern als qualitative Prinzipien, die die Eigenschaften und Funktionen der Materie beschreiben.

II. Die drei Bioenergien: (Doshas): Die fünf Elemente kombinieren sich zu drei grundlegenden Lebensenergien oder Bioenergien, den sogenannten Doshas. Jedes Dosha repräsentiert eine bestimmte Kombination von Elementen und steuert spezifische Funktionen im Körper und Geist. Jeder Mensch hat eine einzigartige Kombination dieser Doshas bei der Geburt (Prakriti), aber äußere Einflüsse und der Lebensstil können zu Ungleichgewichten (Vikriti) führen.

Vata (Äther + Luft): Das Bewegungsprinzip.

  • Eigenschaften: Leicht, kalt, trocken, rau, subtil, beweglich.
  • Funktionen: Steuert alle Bewegungen im Körper (Atmung, Herzschlag, Nervenimpulse, Ausscheidungen), Kreativität, Kommunikation, Angst, Nervosität.
  • Ungleichgewicht: Trockene Haut, Verstopfung, Angstzustände, Schlafstörungen, Gelenkschmerzen.

Pitta (Feuer + Wasser): Das Transformations- und Stoffwechselprinzip.

  • Eigenschaften: Heiß, scharf, ölig, leicht, flüssig, sauer.
  • Funktionen: Verantwortlich für Verdauung, Stoffwechsel, Körpertemperatur, Intelligenz, Eifer, Wut, Aggression.
  • Ungleichgewicht: Sodbrennen, Entzündungen, Hautausschläge, Gereiztheit, Perfektionismus.

Kapha (Erde + Wasser): Das Struktur- und Stabilitätsprinzip.

  • Eigenschaften: Schwer, kalt, feucht, weich, langsam, stabil, ölig.
  • Funktionen: Bildet und erhält die Körperstruktur, sorgt für Stabilität, Ausdauer, Immunität, Liebe, Gelassenheit, Trägheit.
  • Ungleichgewicht: Gewichtszunahme, Schleimansammlungen, Lethargie, Depression, Festhalten an Altem.

III. Die Geistigen Qualitäten (Gunas): Im Ayurveda werden auch drei grundlegende geistige Qualitäten oder Gunas unterschieden, die den Geisteszustand, das Unterscheidungsvermögen und das Verhalten beeinflussen:

Sattva (Equilibrium): Reinheit, Klarheit, Ausgeglichenheit, Harmonie, Frieden, Wissen.

Rajas (Bewegung): Aktivität, Bewegung, Leidenschaft, Unruhe, Ehrgeiz, Aggression.

Tamas (Trägheit): Antriebslosigkeit, Schwere, Unwissenheit, Depression, Anhaftung, Dunkelheit. 

Ein primär sattvischer Geist wird im Ayurveda als ideal für Gesundheit und Spiritualität angesehen.

Das Konzept des Bewusstseins (Atman)

Ayurveda sieht das Bewusstsein (Atman) als die unsterbliche, unveränderliche Seele, die jenseits von Körper und Geist existiert. Mentale Krankheiten entstehen, wenn der Geist (Manas) vom Bewusstsein getrennt ist. Ziel der Heilung ist die Wiederverbindung mit dem inneren Selbst, um wahre Gesundheit, Glück und Freiheit zu erfahren.

IV. Die Kanäle (Srotas und Nadis) und die Energiezentren (Chakras):

Nadis und Srotas sind die Energie- und Transportkanäle im Körper, die Energie (Prana), Nährstoffe, Flüssigkeiten und Abfallstoffe transportieren. Ein freier Fluss in den Nadis und Srotas ist entscheidend für die Gesundheit. Blockaden der Nadis oder Verstopfungen der Srotas können zu Krankheiten führen.

Das Chakra-System ist ein Konzept, das aus der hinduistischen und buddhistischen Tradition stammt und sich auf die Vorstellung von Energiezentren im Körper konzentriert, die als „Chakren“ (Sanskrit für „Rad“ oder „Kreis“) bezeichnet werden. Nach dieser Lehre sind diese Chakren nicht physischer Natur, sondern feinstoffliche Energiezentren, die entlang der Wirbelsäule liegen, für den Fluss der Lebensenergie (Prana oder Chi) im Körper verantwortlich sind und sich auf körperliche, seelische und geistige Vorgänge auswirken.

 V. Die Konstitution (Prakriti):

Die Prakriti ist die einzigartige und angeborene individuelle Balance der drei Doshas bei der Geburt eines Menschen. Sie ist unveränderlich und bildet die individuelle Blaupause für Gesundheit und Wohlbefinden. Das Verständnis der eigenen Prakriti hilft, die persönlichen Stärken, Schwächen und Anfälligkeiten zu kennen und präventive Maßnahmen zu ergreifen, um im Gleichgewicht zu bleiben.

VI. Das Ungleichgewicht (Vikriti):

Die Vikriti beschreibt den momentanen Zustand der Doshas, der durch Lebensstil, Ernährung, Umwelt, Stress und Emotionen beeinflusst werden kann. Sie zeigt an, welche Doshas in Bezug auf die Prakriti im aktuellen Moment erhöht oder reduziert sind und somit zu Ungleichgewichten und potenziellen Krankheiten führen. Die ayurvedische Behandlung zielt darauf ab, die Vikriti zu korrigieren und die Person zurück in ihre individuelle Prakriti zu bringen.

Diese Konzepte bilden das Fundament des ayurvedischen Verständnisses von Gesundheit und Krankheit und leiten die Diagnose und Therapie, die immer auf die individuelle Konstitution und das aktuelle Ungleichgewicht abgestimmt sind.